Respekt! Die Stiftung

Statements

Eike Bohlken

Ich bin erst vor kurzem durch einen Zeitungsartikel auf das Archiv der Jugendkulturen aufmerksam geworden und bin in mehrfacher Hinsicht begeistert:

Als Wissenschaftler halte ich es für eine äußerst unterstützungswerte Leistung, dass das Archiv Materialien sammelt und bereit hält, die durch das Raster universitärer Einrichtungen fallen. Als Musiker und Ex-Punk freut es mich, dass auf diese Weise nicht nur die Musik, sondern die ganze Bandbreite dessen erhalten und zugänglich bleibt, was Jugendliche sich einfallen lassen, um etwas aus sich zu machen und mit dem Wahnsinn der Gesellschaft klarzukommen.

PD Dr. Eike Bohlken, Forschungsinstitut für Philosophie Hannover, Ex-Blumfeld, www.fiph.de

Barbara Budrich

Ein Archiv der Jugendkulturen - wenn man das Interview mit Klaus Farin auf der Website anschaut, dann wird sofort klar, wie wichtig diese Einrichtung ist! In unserer schnellen Zeit, in der Nachrichten im Monatsrhythmus in Vergessenheit geraten, wie fragil ist da unser Wissen um das Alltägliche!

Und, wer braucht das .? Fragen die Jugendlichen unter uns vielleicht. Dies fragen vielleicht auch auf Gewinnmaximierung und direkte wirtschaftliche Verwertbarkeit ausgerichtete Erwachsene. Und doch ist das Wissen um unsere Geschichte die einzige Basis, die wir zur Planung und Organisation unserer Zukunft haben.

Beim Archiv der Jugendkulturen kommt noch hinzu, dass es darum geht, quasi die Geschichte der jeweiligen gesellschaftlichen Zukunft nachzuzeichnen. Denn das ist die Jugendgeneration in ihrer je eigenen Epoche: Die aktuell nachwachsende Generation der Verantwortlichen, deren Jugendwerte, Jugenderkenntnisse und auch Jugendsünden, den gesellschaftlichen Wandel vorantreiben.

Das Archiv der Jugendkulturen brauchen wir, um uns selbst und unsere Jugend - die aktuelle und die früherer Jahre - zu verstehen, um die Abgründe, Sprünge, Entwicklungslinien und Parallelen zu erkennen, die es zwischen Individuen, Gruppen und Generationen gibt. Denn wenn wir als Gesellschaft überhaupt ein einendes Ziel haben, dann das, uns selbst so gut zu verstehen, dass wir in der Lage sind, uns in die Situation des Anderen zu versetzen. Mit den ersten verklemmten Bravos, dem Liedgut der Wandervögel, den Insignien der Hippies oder Popper gelingt dies im Archiv der Jugendkulturen besonders anschaulich.

Lasst es uns erhalten - für unsere Kinder und die Erinnerung an unsere jugendlichen Vorfahren!

Barbara Budrich

www.budrich-verlag.de
www.budrich-unipress.de
www.text-uni.de

Rainer Deimel

Die Nachricht, das Archiv der Jugendkulturen könne womöglich demnächst schließen, hat mich mobilisiert. Dies darf nicht passieren! Daher kam mir spontan der Gedanke, mich mit Hilfe der zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zu engagieren.

Es wird in der nächsten Ausgabe unseres Informationsdienstes einen Aufruf zur Beteiligung an der Spendenkampagne zur Gründung einer Stiftung für das Archiv der Jugendkulturen geben. Auch im Internet-Auftritt des ABA Fachverbandes Offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen (www.ABA-Fachverband.org) wird dieser Hinweis an verschiedenen Stellen auftauchen.

Euch, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Archiv der Jugendkulturen, möchte ich an dieser Stelle danken für Euer vorbildliches Engagement und die Liebe, mit der Ihr das Archiv aufgebaut und dahin gebracht habt, wo es heute ist: Ein einmaliges, schützenswertes und vor allem lebendiges Kulturgut, an dem man sich heute und hoffentlich noch lange, lange Zeit wird erfreuen - und vor allem profitieren - können!

Persönlich werde ich immer ganz kribbelig und ungehalten, wenn ich in Gesprächen Gejaule über die jeweils "aktuelle Jugend" mitbekomme: Unreflektiertes Geschnatter, "so schlimm sei es ja noch nie gewesen mit der Jugend!" Schöne Grüße von Sokrates! Nicht nur deshalb ist ein Archiv der Jugendkulturen notwendig. Es ist auch eine Schatzkammer für alle, die Lust verspüren, sich mit dem Aufwachsen junger Leute zu beschäftigen, sich gegen die "üblichen" Vorurteile stellen möchten und denen an der Zukunft gelegen ist - dies eben auch mit Blick auf die Vergangenheit und die Gegenwart.

Rainer Deimel

Deutsche Gesellschaft für Soziologie

Das Archiv der Jugendkulturen e.V. umfasst Sammlungen von Artefakten (insbesondere Text-, Bild- und Videomaterialien) aller Jugendkulturen in Deutschland seit den 1950er Jahren. Dieses weltweit einmalige Archiv wurde ohne Grundfinanzierung und ohne laufende Förderung aus öffentlichen Händen seit der zweiten Hälfte der 1990er Jahre auf- und seither ständig ausgebaut.

Es steht der Forschung zur Verfügung und wird auch von Soziologinnen und Soziologen für einschlägige Recherchen intensiv genutzt. Die Deutsche Gesellschaft für Soziologie (DGS) unterstützt die nicht mehr verzichtbare Arbeit des Archivs für Jugendkulturen e.V. deshalb nachdrücklich - nicht nur ideell, sondern auch durch finanzielle Beteiligung -, um die Zukunft dieser allgemeinnützlichen Einrichtung zu sichern.

Für die Deutsche Gesellschaft für Soziologie
Prof. Dr. Hans-Georg Soeffner

Dr. Martin Goldstein aka "Dr. Jochen Sommer"

Im Duden kein Wort für Jugendforschung zu finden.

Unsere schöpferisch herausfordernde Jugend muss sich selbst Ideale und Idole schaffen, solange die der Zivilgesellschaft versagen oder nicht verlocken.

Heutige Jugendkulturen zu verstehen hat mir am meisten Klaus Farins Buch "Über die Jugend und andere Krankheiten" geholfen.

Wäre ich als Arzt besser darüber informiert, wenn es wirklich um etwas Krankes ginge? Oder ist außerhalb der Jugend etwas krank? Ich glaube eher, wir befassen uns mit den Falschen; errichten neue Jugend-Haftanstalten und schließen Jugendzentren (siehe Wuppertal).

Umso wichtiger wird es, jede Initiative tätig zu erhalten, welche sich liebevoll und eingehend mit persönlichen Lebenserfahrungen um Jugend kümmert wie das Archiv der Jugendkulturen in Berlin, welches mit immer neuen Kenntnissen und begleitenden und vorurteilsfreien unmittelbaren Kenntnisnahmen die Veröffentlichungen des Deutschen Jugendinstituts (DJI) aufs Lebhafteste ergänzt mit seiner Sammlung von frei zugänglichen 6.000 Büchern und Dokumenten und 28.000 Zeitschriften; außerdem erschienen im eigenen Verlag 80 entsprechende Titel, einschließlich meinem: "Teenagerliebe".

"Kein Geld da für Jugend" halte ich für einen politischen Vorwand oder Schlimmeres. Glaube ich kein Wort. Selbstverständlich muss uns Jugend Etliches kosten, während sie "nur sich selbst" bringt und - welch großes Wort: "Unsere Zukunft."

Jugend muss rebellieren, revolutionieren ist Aufgabe von erfahrenen Alten. Inzwischen sind wir stolz auf die Kulturen unserer Jugend, die weisen uns den neuen Weg.

Dr. Martin Goldstein, 1927 - 2012. Arzt, Psychotherapeut, Jugend- und Lebens-Beratung, Kommunikationstrainer. Bravo-Kolumnist "Dr. Sommer" (1969- 1984).

Prof. Dr. Melanie Groß

Das Berliner Archiv der Jugendkulturen ist einmalig in Deutschland. An keinem anderen Ort wird ein solcher Fundus an Fanzines, Zeitschriften, Fachbüchern, Diplomarbeiten zum Thema Jugendkulturen gesammelt und Interessierten zugänglich gemacht. Den Ausdrucksformen Jugendlicher wird hier ein institutioneller Ort geboten, an dem die Vielfalt, Kreativität und Komplexität jugendlicher Artikulationsweisen sichtbar wird.

Damit setzt das Archiv der Jugendkulturen wissenschaftlich, politisch und auch kulturell zentrale Perspektiven um: Wer hier in Fanzines blättert oder in ethnographisch orientierten Studien des hauseigenen Verlags recherchiert, merkt schnell, dass vereinfachende Bilder über 'die Jugend' schlicht nicht haltbar sind.

Besonders zeichnet das Archiv aus, dass es hier immer auch um die Einbindung von jungen Menschen in die Kulturarbeit geht, dass nicht über Jugendliche gesprochen wird, sondern mit ihnen, und dass die politische Positionierung für Vielfalt und Toleranz stets ein wichtiger Teil der Arbeit ist. Das Archiv bietet Jugendlichen und Erwachsenen eine Plattform: zum Austauschen, Forschen, Erleben und Erfahren.

Die über viele Jahre von sehr engagierten - zum großen Teil sogar ehrenamtlichen - MitarbeiterInnen entwickelten inhaltlichen Standbeine des Archiv der Jugendkulturen brauchen eine organisatorische Rahmung, die den steigenden Anforderungen gerecht werden kann und die ein stabiles Gerüst für diese hochwichtige Arbeit liefern kann. Eine unabhängige Stiftung zur Erhaltung und Sicherung jugendkultureller Deutungen, Perspektiven und Inszenierungen ist unbedingt unterstützenswert!

Prof. Dr. Melanie Groß

Hochschule für Angewandte Wissenschaften
Fachhochschule Kiel
Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit
Sokratesplatz 22
4149 Kiel
www.fh-kiel.de

Prof. Monika Grütters

Gegründet durch private Initiative ist das Archiv der Jugendkulturen mittlerweile eine etablierte und beliebte Einrichtung für das Studium jugendlicher Lebensweisen und Überzeugungen.

Die Sammlung, die seit der Gründung des Archivs beständig wächst, macht die private Finanzierung dieser Institution jedoch zunehmend schwieriger.

Natürlich streben viele Einrichtungen nach einer Regelförderung durch die öffentliche Hand, aber das Archiv der Jugendkulturen hat in seiner mehr als 12-jährigen Geschichte die verschiedenen Facetten einer Vielzahl von Generationen Jugendlicher dokumentiert. Damit übernimmt das Archiv eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die bundesweit keine Entsprechung findet. Ich halte es deshalb für richtig, dass sich auch die zuständigen Akteure in der Politik an der Suche nach Möglichkeiten beteiligen, wie die Existenz des Archivs langfristig gesichert werden kann.

Prof. Monika Grütters, MdB
Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Medien im Deutschen Bundestag

Prof. Dr. Wilhelm Heitmeyer

Verluste vermeiden.

Das Archiv der Jugendkulturen muss erhalten bleiben - und es hilft auch keine Digitalisierung als Archiv.

Produkte der Jugendkulturen muss man anfassen können, damit Sinn wie Unsinn im wahrsten Sinne des Wortes fassbar werden. Man muss sich im realen Raum mit den Produkten bewegen können. Also muss Raum her.

Prof. Dr. Wilhelm Heitmeyer, Leiter des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung Universität Bielefeld www.uni-bielefeld.de/ikg

Prof. Dr. Ronald Hitzler

Ohne das auf eine beispiellose private Initiative von Klaus Farin hin in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre gegründete Berliner Archiv der Jugendkulturen ist nicht nur die außerwissenschaftliche, sondern ebenso die wissenschaftliche Erforschung von mit dem Attribut "jugendlich" konnotierten bzw. konnotierbaren Kulturen heutzutage nicht mehr denkbar.

Hier stehen eine Vielzahl je einmaliger Sammlungen von Artefakten nachgerade aller Jugendkulturen seit den 1950er Jahren für jede Art interner und externer Recherchen bereit, hier werden vielfältige eigene Forschungen durchgeführt, Forschungen andernorts angeregt und einschlägige Kommunikationsnetzwerke gepflegt, und hier findet nicht zum wenigsten eine ebenso rege wie nachhaltige Aufklärungsarbeit und Publikationstätigkeit statt. Seit wir 2002 das Portal www.jugendszenen.com online gestellt haben, arbeiten wir mit den Protagonisten des Archiv der Jugendkulturen eng und vertrauensvoll zusammen. Die Dortmunder Szenen-Ethnographie (DoSE) ist ohne die ständige Kooperation mit dem Berliner Archiv für uns selber kaum vorstellbar.

Vor diesem Hintergrund scheue ich mich nicht, das Archiv der Jugendkulturen als zwischenzeitlich unverzichtbares geistiges und lokalisierbares Zentrum jeder ernsthaften Beschäftigung mit Jugendkulturen zu bezeichnen - sei sie nun außerwissenschaftlich oder wissenschaftlich.

Mit kaum glaublichem persönlichem und finanziellem Engagement hat Klaus Farin mit diesem Archiv eine Institution geschaffen und ständig weiter ausgebaut, die ohne Regelförderung unterhalten werden muss, und die nun ob ihrer Größe und Komplexität in der bisherigen Form nicht mehr hinlänglich stabil weitergeführt werden kann. Ich begrüße deshalb nachdrücklich die geplante Gründung einer gemeinnützigen Stiftung, die geeignet ist, die Zukunft des Archivs der Jugendkulturen zu sichern.

Ronald Hitzler, 7. August 2010

Lehrstuhl für Allgemeine Soziologie
Fakultät 12
Technische Universität Dortmund
D-44221 Dortmund
Tel.:+49/231/755-2817/-2869/-2829
Fax: +49/231/755-2817

www.jugendszenen.com
www.hitzler-soziologie.de
ronald@hitzler-soziologie.de

Carlo Kallen

Bin mit der Jugendkultur groß geworden, habe Punk, Gothic, Hardcore, vieles durchlebt. Und es lässt mich nicht los - ich trommele immer noch.

Vor drei Jahren habe ich meine Fanzinesammlung aus den 80ern dem Archiv der Jugendkulturen überlassen, aber nicht nur deshalb muss ich mich beteiligen. In der heutigen Popkultur sehe ich, dass die Energie aus den Jugendkulturen stets fortlebt. Dies zu dokumentieren, die Wurzeln nicht aus dem Blick zu verlieren, sind eine hochanerkennenswerte Aufgabe, die weiter geleistet werden muss. Ich wünsche der Initiative nachhaltigen Erfolg!

Carlo Kallen, Trommeln bei BLANK www.myspace.com/blanksucks

Werner Kließ, Autor

Das Archiv der Jugendkulturen ist eine der besten und vernünftigsten Einrichtungen, die ich kenne. Neulich recherchierte ich zum Thema Skinheads. Im Netz und in Pressearchiven fand ich unzählige Hinweise, allesamt geprägt durch den Zusammenhang "Glatzen-Schläger-Rechte".

O.k., vieles ist richtig, nützlich war nichts, weil nicht in die Tiefe gehend. Soziologen, Pädagogen, Psychologen schreiben viel zu dem Komplex. Bei den Psychologen habe ich durchweg das Gefühl, es würden alt bekannte Dinge breitgetreten, noch schlimmer ist es bei den Soziologen. Sie sind geistig auf dem Niveau der Biologen des neunzehnten Jahrhunderts, deren höchstes Ziel es war, neue Arten zu benennen und ins passende Fach zu stecken. Ganz nett, außer dass die Benennungen der Biologen wenigstens poetisch waren, die der Soziologen sind fachchinesisch. Brauchbar für Autoren ist nichts.

Wie anders das Archiv der Jugendkulturen! Dort gibt es natürlich auch all das, was Wissenschaftler produzieren, vor allem aber bemüht sich das Archiv unter der Leitung von Klaus Farin darum, die Jugendlichen selbst zu Wort kommen zu lassen. Wahrhaftig keine einfache Sache, denn mit Worten haben sie´s ja nicht so. Selbstzeugnisse werden gesammelt, auch wird Literarisches vom Archiv herausgegeben. Das Wort "Archiv" zeigt an, dass vorurteilsfrei gesammelt (nicht vorab bewertet, kanalisiert, psychoanalysiert, soziologisiert, pädagogisiert) wird; das Wort "Archiv" ist allzu bescheiden, denn tatsächlich wird das Gesammelte, wo immer es geht, umgesetzt in aktuelle Projekte.

Deshalb habe ich die dringende Bitte an Sie, liebe Autoren und Autorinnen und alle anderen, die mit und über Jugendliche arbeiten: Verbreiten Sie den Aufruf mit allen Mitteln, die Ihnen zur Verfügung stehen. Und vor allem: nutzen Sie das Archiv und/oder spenden Sie etwas. Selten ist ein Schein so gut angelegt!

Werner Kließ

Prof. Dr. Gerd Koch

Wenn ich das Stichwort "Archiv der Jugendkulturen" höre oder lese oder besser: Wenn ich an die so kompetente Arbeit eben dieses Archivs in der Berliner Fidicinstraße denke, dann gestatte ich mir seit einiger Zeit diese gedanklichen Assoziationen:

Die UNESCO hat eine "Konvention zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen" verfasst und ein "Programm zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes" aufgelegt. Ja, prima! Jugendkulturen, diese manchmal flüchtigen Äußerungen und gleichwohl uns alle in der Sozialisation mitbestimmenden und von selbst geschaffenen Lebensformen - sie müssen, wenn schon nicht unter UNESCO-Schutz stehend, dann wenigstens lebendig aufbewahrt werden und zur Verfügung stehen in einem Archiv der Jugendkulturen! Und: Wir haben eines! Dass es zu erhalten gilt!

Prof. Dr. Gerd Koch
Berlin

Monika Lazar

Das Archiv der Jugendkulturen wird gebraucht!

Authentisch und ohne erhobenen Zeigefinger gelingt es dem Archiv, Jugendkulturen in ihrer ganzen Bandbreite abzubilden und vorzustellen. Wer mehr über jugendliche Kulturen erfahren möchte, findet bei dieser Informationsstelle jede Menge interessantes Material.

Die Angebote des Archivs sind vielfältig: Bibliothek, Forschung, Aufklärung, Projekttage. Ich lernte das Archiv der Jugendkulturen 2007 kennen und schätzen. Damals startete die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen gemeinsam mit diesem Projekt eine Veranstaltungsreihe an Schulen im gesamten Bundesgebiet. Für Jugendliche ist Kultur, besonders Musik, ein wichtiger Ausdruck von Lebensstil, Szenezugehörigkeit und Identität. Deshalb wollten wir mit Schülerinnen und Schülern über ihre Alltagskultur ins Gespräch kommen. Dabei bezogen wir auch LehrerInnen, Eltern, JugendarbeiteInnen sowie VertreterInnen aus Kommunen, Verbänden und Kirchen ein. Dabei gelang es uns, zusammen Schritte zu mehr Toleranz auf dem Schulhof, den Straßen und in Jugendeinrichtungen zu machen. Und dies alles - dank dem Archiv - nicht nur sachkundig und fundiert, sondern auch frisch und originell. Die TrainerInnen gaben in workshops Einblicke in verschiedene Jugendszenen, aktivierten zum Mitmachen, warben für bunte Vielfalt statt brauner Engstirnigkeit. Diese Arbeit mit den Jugendlichen war methodisch durchdacht und professionell. Gleichzeitig war deutlich zu spüren, mit wie viel Herzblut die ReferentInnen bei der Sache waren.

Müsste das Archiv der Jugendkulturen schließen, wäre dies ein riesiger Verlust an Potenzial und Knowhow. Das Gedächtnis der Jugendkulturen der vergangenen Jahrzehnte in Deutschland würde ebenso verloren gehen wie all die wertvollen Impulse, die Jugendliche von dort erhalten können.

Monika Lazar
Mitglied des Deutschen Bundestages
www.monika-lazar.de

Prof. Dr. Kaspar Maase

Das Archiv der Jugendkulturen muss weiter existieren, weil dieses Land sonst erheblich ärmer wird.

Ärmer um eine Einrichtung, die einzigartiges Wissen über Schlüsselbereiche unserer Kultur liefert - verständlich und bezahlbar. Und ärmer um ein selbstorganisiertes Projekt, dessen Effektivität und spirit viele etablierte Institutionen arm aussehen lässt.

Prof. Dr. Kaspar Maase, Tübingen

Prof. Dr. Günter Mey

Als ich meine erste Arbeit zu Jugendkultur schrieb, habe ich mir selbst viele Dokumente, Materialien & Publikationen an verschiedenen Orten zusammensuchen müssen.

Dass es seit 1998 einen solchen Ort gibt, ist gut zu wissen, bietet er doch eine unendliche Fundgrube für alles, was mit Jugendkulturen verbunden werden kann. Dass dieser Ort verloren gehen könnte, wäre wirklich ein Verlust - kulturell, wissenschaftlich, sozial. Ich begrüße und unterstütze die Initiative.

Günter Mey, Professor für Entwicklungspsychologie, Hochschule Magdeburg-Stendal, Direktor des Instituts für Qualitative Forschung, Internationale Akademie an der FU Berlin, Vorstand der Neuen Gesellschaft für Psychologie (NGfP) www.hs-magdeburg.de, www.institut.qualitative-forschung.de, www.qualitative-research.net, www.ngfp.de

Neue Gesellschaft für Psychologie

Das 1998 gegründete Archiv der Jugendkulturen e.V. mit seiner umfassenden Sammlung von Text-, Bild- und Videomaterialien ist eine für Berlin und für die Wissenschaften und die an Jugendfragen interessierte Öffentlichkeit unverzichtbare Institution, die bundesweit bekannt ist, vielfältige Kooperationen eröffnet und die Zusammenarbeit von Forschung und Praxis fördert.

Die Neue Gesellschaft für Psychologie (NGfP) unterstützt die engagierte Arbeit des Archiv der Jugendkulturen nachdrücklich und begrüßt die Gründung einer gemeinnützigen Stiftung, die geeignet ist, die Zukunft des Archiv der Jugendkulturen zu sichern.

Für die Neue Gesellschaft für Psychologie
Prof. Dr. Klaus-Jürgen Bruder
Prof. Dr. Günter Mey

www.ngfp.de

Prof. Dr. Nicolle Pfaff

Wer schon einmal versucht hat, sich über Skinheads, Gothic oder HipHop einen Überblick zu verschaffen, weiß, dass das schier unmöglich ist. Jugendkulturen sind zu schnell, zu vielfältig, zu bunt, um sie durch eine wissenschaftliche Recherche, einen Blick in Jugendmagazine oder gar durch einen Besuch auf einem wichtigen Szeneevent begreifen zu können.

Wem das fraglich erscheint, dem sei ein Besuch im Archiv der Jugendkulturen und ein Tag Lektüre in seiner Sammlung dringend empfohlen. Ob Jugendforschung, Schulen, Jugendhilfe oder Journalismus - alle, die mit und zu jugendlichen Lebenswelten arbeiten, müssen die hochkomplexe und einem schnellen Wandel unterworfene Welt der Jugendkulturen zum Thema machen. Dafür leistet das Archiv Herausragendes. Auf der Basis von Dokumentationen zu einzelnen Jugendszenen und zu Jugendlichen in bestimmten Regionen, Lebenslagen oder Situationen wird hier Forschungs- und Bildungsarbeit betrieben und miteinander verbunden. Anders als die Studien "alter Männer" in verstaubten Unibibliotheken und anders als eine Jugendbildungsarbeit, die Jugendkulturen auf der Basis von medial geprägtem Halbwissen verteufelt oder tabuisiert, werden jugendliche Szenen im Archiv aus ihrer Realität heraus dokumentiert und dargestellt.

Mit seinen Bildungsprojekten, Publikationen, Ausstellungen, vor allem aber mit seiner Sammlung von Medienprodukten aus Jugendszenen bildet das Archiv der Jugendkulturen aus meiner Sicht die zentrale Anlaufstelle für Studien zu Jugendszenen wie für alle, die mehr über jugendliche Stile wissen wollen. Um die wichtige Arbeit des Archivs an der Schnittstelle von Jugendforschung und Jugendbildungsarbeit dauerhaft zu sichern, sollten alle, denen die Dokumentation von jugendlichen Stilen und Szenen und die Arbeit mit Jugendlichen am Herzen liegt, bei der Stiftungsgründung mithelfen.

Professorin am Institut für Pädagogik - Migrations- und Ungleichheitsforschung der Universität Duisburg-Essen 

Hansi Ruile

Als Privatmensch, aber auch als Leiter der Kulturhaus Kresslesmühle gGmbH und der Interkulturellen Akademie Augsburgunterstütze ich leidenschaftlich den "Umbau" des Archiv der Jugendkulturen in eine Stiftung, um dieser wichtigen Einrichtung Planungssicherheit für die Zukunft zu geben.

Die Arbeit des Archiv der Jugendkulturen ist von herausragender Bedeutung für das Verständnis und die Analyse unserer Gesellschaft insbesondere vor dem Hintergrund eines erweiterten Kulturbegriffs und der Entwicklung einer zeitgenössischen kulturellen Bildung. Gerade die demografische Entwicklung unserer Gesellschaft, ihre Fragmentierung und ihre Superdiversity in ethnischer, religiöser, kultureller, milieu- und szenespezifischer Hinsicht benötigt Insitutionen wie das Archiv der Jugendkulturen. Der Respekt vor Vielfalt und Differenz und die Anerkennung der mannigfachen Entwürfe von unterschiedlichen Lebensstilen und künstlerischen Ausdrucksformen werden durch die Arbeit des Archiv der Jugendkulturen nachhaltig befördert. Die gelebte Wirklichkeit einer "offenen Gesellschaft" wird durch das Archiv begreifbar dokumentiert und so ein wichtiger Beitrag zum Umgang mit Vielfalt und eine unverzichtbare Präventionsarbeit im Bereich von Rassismus und Ausgrenzung geleistet.

Der enorme Stellenwert der Jugendkulturen im Bereich außerschulischen Kompetenzerwerbs wurde und wird durch das Archiv der Jugendkulturen in beispielhafter Weise vermittelt. Diese Vermittlungsarbeit ist von unschätzbarem politischem, sozialem und kulturellem Mehrwert zur demokratischen Gestaltung unserer heterogenen Gesellschaft und bedarf deshalb der strukturellen Verstetigung.

Rafik Schami

Mich wundert es, dass Politiker immer wieder, vor allem nach Amokläufen, Asche über ihre Häupter streuen und beschließen, Gremien und Experten zusammenzurufen, um diese Katastrophe, die moderne Gesellschaften heimsucht, zu analysieren und kluge Sätze und Vorsätze zu fassen.

Dieses Verhalten wundert mich an sich nicht. Aber mich wundert, mit welcher Systematik dieselben Politiker gute Initiativen übersehen, totschweigen und damit verhindern, dass diese Initiativen der Jugend zugute kommen.

Und daran erkennt man, wie unseriös die vergossenen Tränen sind. Jugendarbeit ist tägliche Arbeit und nicht erst, wenn es knallt. Die eindeutige Ablehnung der Unterstützung der langfristigen Arbeit, wie die des Archiv der Jugendkulturen und vieler anderer Initiativen, ist Beweis genug. Die Heuchelei der Politik ist inzwischen Programm geworden, und es ist wirklich fast ein verbrauchter Witz, aufzuzählen, wie viele Milliarden an Steuergeldern die Politiker großzügig in die Banken gepumpt haben, während sie bei kleinen Beträgen, die Demokratie und Freiheit, Menschlichkeit und Mündigkeit verteidigen, knausern.

Lebensqualität ist nicht nur im Kochtopf oder in der Boutique zu suchen. Lebensqualität ist, wie wir miteinander umgehen, wie wohl sich Kinder und Jugendliche in unserer Gesellschaft fühlen. Und das Archiv der Jugendkulturen ist eine Schatzkiste von besonderer Qualität. Sie beherbergt all das, was Jugendliche in einer verhältnismäßig kurzen Phase ihres Lebens produzieren.

Mich wundert es, dass die Bundesregierung Gelder und Leben für die Verteidigung Deutschlands im Hindukusch großzügig vergeudet, aber die friedliche und preiswerte Verteidigung der Kultur in Berlin übersieht. Und dann wundert es mich nicht mehr, dass Bürger immer öfter auf die Straße gehen, ob in Biblis oder Stuttgart, um ihr Leben zu schützen und die Demokratie vor Verkrustung zu retten. Das ist das wahre Heldentum und nicht die Ballerei in Afghanistan. Das ist auch ein Beweis, dass Politiker dieses Landes immer weniger verstehen, was die Bevölkerung will und braucht.

Auch die Jugendlichen werden der Politik der großen Parteien immer entfremdeter, ablehnender gegenüberstehen, ohne dass ein Demagoge nötig wäre, der sie darin bestärkt oder gar aufhetzt. Die Aufgabe übernehmen die Parteien selbst.

Mich wundert natürlich, dass eine Bundeskanzlerin (nicht einmal ihre) unglaubwürdige, nicht gerade originelle, aber populistische Thesen von der "Leit-Hammel-Kultur" vor Jugendlichen der Union vorträgt, ohne Angst zu haben, so viele Tomaten zu bekommen, dass sie für Jahre keinen Ketchup zu kaufen braucht.

Sind diese braven Gestalten, die wie Roboter der Worte der Kanzlerin Beifall schenkten, noch Jugendliche? Haben sie jemals etwas über die Gleichwertigkeit der Kulturen gelesen? Denen würde ich dringend einen Besuch beim Archiv der Jugendkulturen empfehlen. Und ich wette, einige sensible Mitglieder der Jungen Union werden solche Angebote von Sarrazin, Merkel oder Seehofer bestimmt nicht mehr bejubeln.

Mich wundert es, dass kein Politiker der großen Parteien über den Schatten seiner Partei springt und sich einen großen Namen macht, als Inhaber eines eigenen Kopfes, indem er demokratische Initiativen öffentlich unterstützt.

Eine dieser wunderbaren Initiativen ist das Archiv der Jugendkulturen. Ich war vom ersten Augenblick an ein Freund dieses Archivs, nicht nur deswegen, weil seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, allen voran Klaus Farin, fast selbstlos und immer kurz vorm Bankrott erstklassige Aufklärung betreiben, sondern, weil ich miterlebt habe, wie mein Sohn die Bücher des Archivs zwei- und dreimal gelesen hat. Er hob sie auf für die Ferien, damit er sie in Ruhe genießt. Ich beneidete das Archiv, weil es diese Brücke zu den Jugendlichen schlagen konnte, ohne ein einziges Moral predigendes Wort. Großartig!!!

Ich bitte alle Bürgerinnen und Bürger dieses Landes, das Archiv der Jugendkulturen so großzügig wie möglich zu unterstützen, damit die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihren wichtigen Beitrag tun können, ohne dauernd Angst zu haben, dass sie die Miete für das nächste Halbjahr nicht mehr zahlen können.

Ich darf eine kleine Prophezeiung aussprechen: Die Bundesrepublik Deutschland wird später sehr stolz auf das einzigartige Archiv sein, und es wird in Europa und der Welt ein Beispiel sein für die Initiative der engagierten Menschen, die so etwas bewirken können, wie es viele Initiativen zum Schutz unserer Erde und unserer Menschlichkeit geleistet haben, ohne dass die Regierungen auch nur einen Finger krumm gemacht haben.

Rafik Schami www.rafik-schami.de
Foto: Root Leeb

The Stattmatratzen

Um ein eigenständiger Mensch zu werden, muss ein Jugendlicher sich nach und nach von seinen Eltern abkapseln und sich neue Bezugsgruppen suchen. Er braucht eine Gegen- oder Subkultur zu der seiner Eltern.

Das ist ein wichtiger Schritt zum erwachsen werden. Viele vergessen das leider im Laufe ihres Lebens. Sie sehen diese daraus entstehenden Jugendkulturen nur als einen Haufen frecher Kinder mit einem seltsamen Kleidungs-Stil.

Das Berliner Archiv der Jugendkulturen wirkt diesem Vergessen entgegen. Es dokumentiert die gesamte Bandbreite der Jugendkulturen: von den Punks der 70er über Skinheads, Popper und Indies bis hin zu den noch relativ jungen Emos. Das Archiv zeigt die Einstellungen und Beweggründe der Vertreter einzelner Jugendkulturen auf und hilft so, die Jugendlichen und die Probleme ihrer Zeit besser zu durchschauen.

Ein so großer Fundus mit so viel wertvollem Hintergrundwissen ist mittlerweile unentbehrlich - schließlich lernt man aus der Vergangenheit.

The Stattmatratzen
www.statt-matratzen.de

Prof. Dr. Jürgen Terhag

Die Jugendkulturen sind längst erwachsen!

Trotzdem ist das Archiv der Jugendkulturen nötiger denn je zuvor.

Die Musik des vergangenen Jahrhunderts lässt sich beschreiben als eine permanente Folge von Jugendkulturen, die sich gegen Erwachsenenkulturen durchsetzen mussten, um dann - gegen Ende des Jahrhunderts immer flotter - selbst zu Erwachsenenkulturen zu werden.

Zusätzlich gab es immer wieder - vor allem im pädagogischen Bereich - die "erwachsenen Jugendkulturen", die als Eltern oder Pädagogen einigen berufsjugendlichen Elan an den Tag legten, um der jugendkulturellen Herausforderung erzieherisch und/oder pädagogisch zu begegnen (vgl. Terhag 1989). So betrachtet beschreibt das Archiv der Jugendkulturen einen ganz wesentlichen Teil der Musikkultur des 20. Jahrhunderts.

Die Möglichkeit, sich publizistisch, wissenschaftlich oder nostalgiegetrieben mit Populärer Musik in Deutschland zu befassen, wird erleichtert und ermöglicht durch die verdienstvolle Arbeit des Archivs! Aus diesem Grund hat auch der Arbeitskreis für Schulmusik (AfS) als einer der großen deutschen Musiklehrerverbände das Archiv der Jugendkulturen unterstützt.

Bereits vor einem Vierteljahrhundert sollte der bewusst provokative Begriff der "Un-Unterrichtbarkeit" jugendkultureller Musik die musikpädagogischen Schwierigkeiten mit Populärer Musik auf den Punkt bringen (vgl. Terhag 1984). Auch wenn sich rückblickend seit dieser Zeit bezüglich der praktischen pädagogischen Arbeit mit Rock, Pop, Jazz und deren fließenden Übergängen sehr viel Positives entwickelt hat, sind wir in der theoretischen Beschäftigung mit diesen Stilbereichen kaum einen Schritt weiter gekommen. Die meisten Schulen und Musikschulen - und in deren Gefolge auch die Hochschulen - haben sich zwar mittlerweile der Populären Musik angenommen, dies geschieht jedoch meist ausschließlich auf der musikpraktischen Ebene und damit zu wenig reflektiert, begründet und sachangemessen. Auch ambitionierte Aus- und Fortbildungsmodelle für Musiklehrer/innen thematisieren nahezu ausschließlich praktische Aspekte wie Bandarbeit, Instrumentenkunde, Arrangement, Technik/Computer etc., wodurch historische, ästhetische und außermusikalische Aspekte vom praktischen Umgang mit Populärer Musik abgekoppelt werden.

Jugendkulturelle Musik wird inzwischen sogar bei Wettbewerben wie "Jugend musiziert" berücksichtigt, wodurch dieser Wettbewerb seinem Namen durchaus eher gerecht wird; im Jahr 2011 sind die Kategorien Drumset und E-Gitarre an der Reihe. Mit der Mannheimer Popakademie ist inzwischen eine Hochschule für jugendkulturelle Musik ins Leben gerufen, an praktisch allen Musikhochschulen wird der Bereich der Populären Musik mehr oder weniger intensiv unterrichtet und praktizierende Popmusiker/innen werden gezielt zum Studium der Musikpädagogik aufgefordert (Details siehe: http://www.afs-musik.de/pdf/hallische_erklaerung.pdf). Um jedoch auch in der kulturtheoretischen Erforschung jugendkultureller Musik weiterzukommen, muss das Archiv der Jugendkulturen erweitert statt geschlossen werden! Diese zentrale Anlaufstelle für Musikinteressierte aller Altersstufen darf nicht dem Rotstift zum Opfer fallen. In Ghana gibt es ein Sprichwort, nachdem der Tod eines alten weisen Menschen mit dem Brand einer Bibliothek zu vergleichen ist. In unserer Schriftkultur sind es Einrichtungen wie das Archiv der Jugendkulturen, die kulturelle Kontinuität ermöglichen und somit identitätsstiftend wirken können!

Prof. Dr. Jürgen Terhag

Literatur
Terhag, Jürgen: Populäre Musik und Jugendkulturen, Regensburg 1989
ders. (Hg.)
: Populäre Musik und Pädagogik Bd. 1-3, Oldershausen 1994/1996/2000
ders.
: "Die Vernunftehe. Vierzig Jahre Populäre Musik und Pädagogik" In: Baacke, Dieter (Hg.): Handbuch Jugend und Musik, S. 439-457. Opladen, Leske & Budrich 1998
ders.:
"20 Jahre Un-Unterrichtbarkeit Populärer Musik. Ein didaktisches Problem hat Geburtstag" In: Pfeiffer/Terhag (Hg.): Musikunterricht heute Bd. 6. S. 39-51; Oldershausen, Lugert-Verlag 2006

Ton Steine Scherben

Wir, die lebenden Musiker der Band TON STEINE SCHERBEN, fühlen uns der Arbeit des Archiv der Jugendkulturen verbunden. Wir haben uns mit unserer Musik und unseren Texten immer als Teil einer aufsässigen, kritischen und aktuellen Jugendkultur verstanden, die ihre Träume hat, ihre Wünsche ernst nimmt und sich dafür einsetzt.

"Mein Name ist Mensch" ist Song und Idee unseres gemeinsamen Mensch- und Musikerdaseins bis heute. Dass die Energie, die Ideen und Ausgestaltungen der eigenen Träume und Identitäten nicht einfach beim Lauf der Dinge untergehen, dafür sorgt das Archiv der Jugendkulturen mit seiner Arbeit. Jede Generation hat ihre Zeichen und ihre Geschichte. Hier werden sie in engster Zusammenarbeit mit den Beteiligten dokumentiert. Hier sind nicht der Blick von außen und die Bewertung die Richtschnur der Arbeit, sondern der teilhabende Blick und der Wunsch nach Verständnis.

Diese Arbeit muss auch in Zukunft ihren Platz behalten. Dafür ist die Stiftung die geeignete Form. Wir unterstützen das Bemühen des Archiv der Jugendkulturen, seiner Arbeit in dieser Form eine Absicherung und Beständigkeit zu geben. Wir rufen alle Menschen, die wie wir von der Arbeit des Archivs überzeugt sind, dazu auf, sich an der finanziellen Ausgestaltung der Stiftung zu beteiligen und diesen Prozess zu unterstützen.

TON STEINE SCHERBEN

Jürgen Trittin

Mit dem Archiv der Jugendkulturen e. V. hat die Bundestagsfraktion in der Vergangenheit erfolgreich zusammengearbeitet. Die schwierige finanzielle Situation des Archivs haben wir deshalb mit Sorge zur Kenntnis genommen.

Jürgen Trittin, MdB
Foto: Rainer Rosenow

Stephan Weidner

Es war schon immer bequemer, den Zeigefinger zu heben - oder gleich damit auf jemanden zu zeigen - als auch nur ein Mindestmaß an Empathie für das für einen selbst fremd oder unzugänglich Wirkende aufzubringen.

Wie einfach es ist, heutzutage mit Denunzierung, interessengesteuerter Meinungsmache und gefährlich interpretierten Teil-, Halb- oder Unwahrheiten Massen zu erreichen und zu mobilisieren, haben die vergangenen Wochen gezeigt. Wie schnell Brandstiftern wie Sarrazin die Möglichkeit geboten wird, Hand an eine vermeintliche Lunte zu legen, ist erschreckend. Dabei erscheint es beinahe willkürlich, welche Generation, Ethnie, Kultur oder Gruppierung als Nächstes mit einem Stigma belegt wird, das sich durch manipulative Medien, Angst vor dem Anderen oder schlichte Denkfaulheit tief in die öffentliche Wahrnehmung einbrennt.

Die Industrie und ihre angeschlossenen Medienorgane sind so perfekt darin, uns das zu liefern, was wir wollen, dass wir zu Nationen hirnloser Zombies mutieren. Unsere Mediengesellschaft unterliegt den zuckersüßen Versuchungen der Unterhaltungsindustrie und der Presse. Wir übernehmen deren Meinung und plappern ihre als Information getarnte Propaganda nach. Egal in welcher Gesellschaft, es herrschen kollektive, negative Vorstellungen über Personen, soziale Gruppen, Weltanschauungen, Religionen, Völker und Nationen, die nicht kompatibel sind mit den eigenen, komfortabel ausgestalteten Denkmustern. Und ihre jeweiligen Organe transportieren genau diese Botschaften und legen damit ihre Feuer. Es gab zwar immer wieder gegenkulturelle Revolutionen, aber die Industrie hat es immer wieder verstanden, diese zu vereinnahmen, zu kommerzialisieren und auszubeuten.

Umso wichtiger ist deshalb - heute mehr denn je - die Arbeit unabhängiger Einrichtungen wie dem Archiv der Jugendkulturen. Klaus Farin und sein Archiv stehen für kritische, aber offene Empathie, Dokumentation statt Sensation eben. Und damit ist die größtenteils ehrenamtlich gestützte Initiative nicht weniger als ein integraler Pfeiler für eine funktionierende, tolerante und lebendige Demokratie. Eine Demokratie, in der Seelenfischer wie Sarrazin und Konsorten viel elanvoller gegen Wände oder schlicht ins Leere rennen sollten. Initiativen wie das Archiv der Jugendkulturen sind der Schmierstoff einer Kultur, die sich nicht in ständiger Angst vor oder um etwas wegduckt und in kontrollierbarer Schockstarre verharrt, sondern mit offenen Augen und offenem Geist für eine offene Gesellschaft einstehen kann und will.

Stephan Weidner (Böhse Onkelz, DER W)